KBI 12 | Werkstatt Wittenberg

Marie BauerCelica FitzBettina-Maria MuellerAnnette Plaz (Hg.)

20×20 cm | 144 Seiten | Zahlreiche Abbildungen in Farbe | 20€

Die Dokumentation der “Werkstatt Wittenberg. Labor zum Kirchenbau der Zukunft”, basierend auf einem gemeinsamen Projekt der Wüstenrot Stiftung und des KBI in Kooperation mit den Architekturfakultäten der TU Dresden, TU Kaiserslautern und TU München ist beim Jonas-Verlag erschienen.

Mit Beiträgen von: Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez, Yannick Barnekow, Marie Bauer, Dirk Bayer, Rebecca Best, Brückner & Brückner Architekten, Thomas Erne, René Hartmann, Julius Henckel, Franziska Herborn, Alexandra Huber, Christian Kawerau, Stefan Krämer, Annika Landt, Katja Lembke, Jennifer Marten, Bettina-Maria Mueller, Annette Plaz, Schulz und Schulz Architekten, soan architekten und Thomas Will.

INHALT

Under construction: Modelle zeitgenössischer Sakralarchitektur

In der WERKSTATT WITTENBERG blicken Architektinnen gemeinsam mit Religions- und Kulturwissenschaftlerinnen auf Modelle zeitgenössischer Sakralarchitektur und fragen nach deren Aktualität und Wandelbarkeit: Wie können Kirchengebäude gegenwärtigen gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnissen ihrer Besucher*innen und Nutzer*innen entsprechen und dabei in ihrer baulichen und liturgischen Gestaltung zukunftsfähig werden?

METHODE

Interdisziplinär diskutiert gemeinsam entworfen

In dem interdisziplinären LABOR entwerfen Expert*innen und Student*innen der Architektur, Kunst- und Kulturwissenschaft und Evangelischen Theologie gemeinsam Modelle verschiedener religiöser Räume und Gebäude. Sie diskutieren konkrete Bauten und Umnutzungskonzepte von christlichen Kirchen im Blick auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse im deutschsprachigen Raum ausgehend von ihren unterschiedlichen Perspektiven der Theorie und Praxis.

GEPLANTES

Student*innen entwerfen zukünftige Kirchenmodelle

Der Band dokumentiert Entwürfe zu veränderten liturgischen Funktionen aus dem interdisziplinären Lehr- und Praxis-Modell der WERKSTATT WITTENBERG. Architekturstudent*innen aus Dresden, Kaiserslautern und München entwickeln standortspezifische Ansätze für bestehende Kirchen ihrer Region mit neuen Nutzungskonzepten: Sie überdenken Fragen des Denkmalschutzes historischer Bauten, entwickeln Umnutzungskonzepte für kleine Dorfkirchen aus den 1960er bis -70er Jahren und planen Veränderungen der Plätze und Baugefüge um prominente Kirchen im Stadtzentrum. Alle Entwürfe vereint die Auseinandersetzung mit ortsspezifischen und städtebaulichen Kontexten und Fragen nach architektonischen Reaktionen auf soziale, stadträumliche und religiöse Wandlungsprozesse am Standort.

Formfindung zwischen Aura und Funktion

Einen vorgefundenen Standort zu einem „auratischen Ort der Transformation“ in der Wittenberger Innenstadt zu gestalten war Aufgabe des gemeinsamen Stegreifs aller Student*innen. Der Band zeigt, wie sich Teams aus Architektur-, Kunst- und Theologiestudent*innen in vier Tagen leerstehende Läden, Kleingartenanlagen und Hauseingänge mit Klebefolie, Farbspray, Trockeneismaschine und frittierter Ente künstlerisch aneigneten und damit den schwer definierbaren Begriff der Aura bearbeiten. Im Band kommentieren die Student*innen ihre Formfindungsprozesse.

GEBAUTES

Aus der Praxis: Aktuelle (Um-)Bauten

Anhand von konkreten Bauprojekten, Reflexionen zu Spiritualität und Raum auf dem Land und in der Stadt sowie gesellschaftlichen Funktionen von Kirchen(-gebäuden) wird eine Bandbreite an Raummodellen des Sakralen aufgezeigt. Pläne, Fotos, Entwürfe und Statements der Architekturbüros Bruno Fioretti Marquez, Brückner & Brückner Architekten, Schulz und Schulz Architekten und soan architekten zeigen auf, wie in der Praxis mit Fragen der Umnutzung und des Umbaus von religiösen Gebäuden unterschiedlicher Konfessionen umgegangen wird.

Statements von Architekt*innen zu Sakralarchitektur

Die Architekten Brückner & Brückner beschreiben ihre Arbeit zwischen „Seismograph“, „Satellit“ und „Geburtshelfer“, sie sammeln Geschichten der Orte um in ihrem Baukonzept „Erinnerung zu bauen“. Ihre Offene Kirche St. Klara in Nürnberg zeigt, wie unterschiedliche Nutzungswünsche von Kontemplation der Nutzer*innen bis zum Kerzenopfer zahlreicher Besucher*innen in einem Bau als Raum-im-Raum-Konzept vereinbar werden können.

Für José Gutierrez Marquez von Bruno Fioretti Marquez ist es das Palimpsest, welche zum Sinnbild der Planung für das ev. Predigerseminar an der Schlosskirche in Wittenberg wurde. Im respektvollen Umgang mit dem Erinnerungsort legten Bruno Fioretti Marquez eine neue Zeitschicht – als Neuinterpretation des klösterlichen Bautypus – im Dachgeschoss auf die Altbausubstanz.

Das Q1 – Eins im Quartier. Haus für Kultur, Religion und Soziales in Bochum von soan architekten verbindet unter seinem Dach die Funktionen eines Stadtteilzentrums mit einem Andachtsraum. Es ist damit ein Beispiel für eine Architektur, die multikulturelle Begegnung im Raumkonzept durch Verbindungen und Durchblicke mitbaut. Mit dem Gebäudeensemble Q1 entwerfen sie einen Bautypus, der das Konzept des Gemeindezentrums weiterentwickelt.

Die Architekten Schulz und Schulz schreiben über ihre eigene religiöse Biografie und wie sie als Messdiener schon früh ein Verständnis für die Inszenierung der katholischen Liturgie entwickelten. Für „das Sakrale“ im gegenwärtigen Bauen gibt es für sie hingegen keine allgemeinen Kennzeichen. Vielmehr seien Sakralbauten kenntlich, wenn sie als „Ankerpunkte“ im Stadtraum wahrgenommen werden – unabhängig von welcher Religion sie zeugen. Der Standort ist für sie dabei ein Anzeichen für die gesellschaftliche Anerkennung. Eine repräsentative Adresse mit Identifikationspotenzial für die Gemeinde zu bilden, gelang ihnen mit der Probsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.

Statements der Architekturbüros erläutern diese und weitere Bauten. Wie sie dabei zwischen Funktionalität und Inszenierung changieren, erörtert Thomas Erne anhand seiner These einer „postsäkularen Auratisierung“ vom modernen zum gegenwärtigen Kirchenbau.


Siehe auch:

Ankündigung der Publikation: WERKSTATT WITTENBERG (KBI 12)

Bericht und Fotografien zur Sommerakademie und Ausstellung 2017: Sommerakademie und Ausstellung der WERKSTATT WITTENBERG