THOMAS PUTZE ZUM II. BILDERTAG

Thomas Putze, Bildhauer und Performer aus Stuttgart, ist ein Künstler mit einem Zauberstab. Was er findet, verwandelt sich unter seinen Händen in Kunst: Fundstücke, Holz, Metallreste. Er zaubert aus Schrott und rohen Pfählen mit der Motorsäge ein Panoptikum an Figuren, die verletzlich sind, skurril, witzig, anrührend, und deren Charme sich niemand entziehen kann. Thomas Putzes Kunst ist sinnlich, körperlich und kraftvoll. Und er kann provozieren [...] Es sind wilde Arbeiten, voller anarchischer Lust. Spektakulär sind auch seine Performances, die Kletteraktionen oder die Interventionen mit der Elektrogitarre.

So schrieb Thomas Erne 2011 über den Künstler der ersten LITURGY SPECIFIC ART. Mit seiner kraftvoll-spielerischen Arbeit setzte Putze nicht nur den Grundstein für die Performance- und Ausstellungsreihe LSA, sondern wurde paradigmatisch für die entstehenden Kunstaktionen des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart (KBI). Spontanität, Unkonventionalität, Unmittelbarkeit, Provokationslust und Experimentierfreude waren 2011 Startpunkt und sind nun 2022 Teil des Abschlusses des Zusammenspiels von Kunst und Religion am KBI.

PERFORMANCE + ZEICHNUNGEN VON THOMAS PUTZE ZUM ZWEITEN BILDERTAG

Den performativen Akt setzt Putze auch in seinen Zeichnungen um, die spontan anlässlich und während des zweiten Bildertags in Marburg am 11. Februar 2022 entstehen. Seine Zeichnungen sind ebenso gestisch und kraftvoll wie humorvoll und offenlegend. Zum Abschied des Direktors des KBI, Universitätsprediger und Professor Thomas Erne haben wir Thomas Putze erneut eingeladen, zu zeichnen. Was sein künstlerischer Blick zum Bildertag ‚Das Christusbild in der Gegenwart – eine Leerstelle auf dem Weg zu einer neuen Anschaulichkeit?‘ freilegt, zeigt eine Spontan-Ausstellung in der Alten Universität, die Thomas Erne danach nach Tübingen mitnehmen darf.

  Performance + Zeichnungen von Thomas Putze zum 2. Bildertag

LITURGY SPECIFIC ART: DIE REIHE BEGANN 2011 MIT THOMAS PUTZE

Mit DURCHZÜGLER startete Thomas Putze 2011 LITURGY SPECIFIC ART. Die von Thomas Erne und dem kuratorischen Team des KBI konzipierte Reihe zeigte in den darauffolgenden Jahren mehr als 20 Performances, ortsspezifische Installationen, Videoarbeiten und Ausstellungen in den Räumen der Universitätskirche, der Alten Universität und der Bibliothek, den Räumen des Instituts und Galerien.

WAS PASSIERT, WENN KUNST NICHT NUR IN SAKRALEN RÄUMEN AUSGESTELLT WIRD, SONDERN DIESE ZUM MATERIAL FÜR ORTSSPEZIFISCHE INTERVENTIONEN MACHT?

LITURGY SPECIFIC ART war eine Performance- und Ausstellungsreihe, in der kuratorisch und künstlerisch am Zusammenspiel von Gegenwartskunst und Religionen geforscht wurde. Damit war LSA ein Experiment mit immer neuen Gästen und Konzepten. Das KBI lud Künstler*innen dazu ein, sich die Räume temporär anzueignen. Ausstellungen, Installationen, Interventionen oder Performances wurden mit den Künstler*innen, Liturg*innen und dem Kurator*innen-Team konzipiert und als Event und Gottesdienst in der Universitätskirche in Marburg erprobt.

Die künstlerische und liturgische Aktion verlief miteinander, nebeneinander oder gegeneinander. Sie bezog sich in jedem LSA auf neue Weise aufeinander und entwickelte Korrelationen und Verbindungen, Kontraste oder Spannungen. Die hinter den Kulissen geführten Planungen, intensive Gespräche oder in dokumentierenden Filmen festgehaltenen Interviews zeigten Ergänzungen, Grenzziehungen oder Innovationen im Spannungsfeld von Gegenwartskunst und liturgischer Praxis auf.

RÜCKBLICK AUF DURCHZÜGLER MIT THOMAS PUTZE

 

Thomas Putze mit DURCHZÜGLER in der Reihe Liturgy Specific Art, 29. Mai- 30. Juli 2011

Mir ging es darum, ein flüchtiges und offenes Bild mittels meines Körpers in den starken, fast martialisch anmutenden Kirchenraum zu bringen – ein Versuch, meinem Empfinden von Glauben eine Form zu geben, die dem Kirchenraum einerseits widerspricht, andererseits gerade von ihm als Bild geschärft und wirksam gemacht wird. Thomas Putze

In Thomas Putzes Performance DURCHZÜGLER hangelte sich im Stil des „free climbing“, von einer spieluhrähnlichen Barockmusik (Orgel und Violine) begleitet durch das Kirchenschiff, im Bemühen, den Boden nicht zu berühren. Die Gottesdienstbesucher*innen verfolgten das teils akrobatische Geschehen von den Emporen aus. Für diese Performance wurde Thomas Putze im Jahr 2012 mit dem Kunstpreis der Ev. Landeskirche Württembergs prämiert.

 
Thomas Putze mit DURCHZÜGLER in der Reihe Liturgy Specific Art, 29. Mai- 30. Juli 2011