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SCHNAPPSCHUSS: Der Raum der Stille im Brandenburger Tor in Berlin

Aufnahme 1: Raum der Stille, Brandenburger Tor, Ausschilderung

Es ist eine Grundhektik, die Mensch und Welt in Bewegung hält.

Dieser Hektik ausgesetzt, erweisen sich die vier großen Säulen des Brandenburger Tors als beständiger Schutz für das fast unscheinbare und zerbrechliche Schild, welches mit der Aufschrift „Raum der Stille – Room of Silence“ für diesen besonderen Ort Aufmerksamkeit erregt. Eine Passantin scheint sich dieser Hektik ihrer Mitmenschen zu entziehen um sich für einen Moment der Ruhe und der Stille hinzugeben. Der „Raum der Stille“ sollte möglichst nah an der ehemaligen innerdeutschen Grenzlinie zwischen West und Ost liegen, was 1994 mit dem Einrichten des Raumes im nördlichen Teil des Brandenburger Tors in Berlin verwirklicht wurde. Mit Hanna-Renate Laurin als Schirmherrin, konnte sich der von Dr. Maria Diefenbach gegründete Förderkreis Raum der Stille in Berlin e.V. hier einrichten.

Der Innenraum ist mit gewöhnlichen Stühlen und einzelnen Sitzkissen bestückt. Neben einem weißen naturbelassenen Stein, stellt der Bildteppich „Licht, das die Finsternis durchdringt“ von Rita Hager ein weiteres Kunstwerk dar. Der Raum selbst besitzt einen Vorraum, welcher mit seiner Kunst die Besucherinnen und Besucher auf die folgende Stille und das Schweigen vorbereiten möchte: Dazu dient das Relief von P. Franz Prentke, eine Collage zum Thema Toleranz von Berliner Schülerinnen und Schüler und das von Paul Corazolla in verschiedenen Sprachen aufgegriffene Wort „Stille“.

Nicht nur durch die Nähe zur ehemaligen Grenze, sondern auch durch die Lage im Brandenburger Tor verweist der Raum der Stille auf eine friedvolle Einigung und Rücksichtnahme zwischen sich und seinem Gegenüber. Dieser Raum soll Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, sich zu besinnen und zur Ruhe zu kommen, zu beten wie auch zu meditieren. Bei all diesen stillen Momenten sollen Weltanschauung und Religion jedoch in den Hintergrund treten. Viel mehr fordert der 30qm große Raum mit seiner Schlichtheit und seiner bewussten Neutralität zu Toleranz und Geschwisterlichkeit auf.

Die Aufnahmen des Fotografen Thomas Scheit sind für die Ausstellung „Multireligiöse Räume“ des EKD-Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität- Marburg in Kooperation mit dem Bildarchiv Foto Marburg entstanden.

Weitere Fotos von Räumen der Stille können in Absprache mit dem Institut eingesehen werden. Online zugänglich sind die Bilder im Bildindex der Kunst und Architektur.

 

 

Text: Anna-Theresia Hügle

 

Quellen

www.raum-der-stille-im-brandenburger-tor.de

Erne, Thomas. Noss, Peter. Bracht, Christian. Open spaces. Räume religiöser und spiritueller Vielfalt. Weimar 2016.

Fotos: Rechte vorbehalten, EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität Marburg / Bildarchiv Foto Marburg

Foto: Thomas Scheit