#passion.com – LSA Martin Wöllenstein und Marlena Kellogg

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Vom 14. Juni bis zum 16. Juli 2019 konnte man in der Universitätskirche in Marburg die „Cloud“ der beiden Künstler Marlena Kellogg und Martin Wöllenstein sehen.

Mit einer Kombination aus Installation, Videokunst, Performance, elektronischer Musik des Künstlers J_Cow zur Nacht der Kunst und einer Predigt von Dorothée Schubert zum Liturgic Specific Art Gottesdienst behandelten die Künstler ein aktuelles Thema: Den Eingriff von Technologien und Internet in unsere Leben.
Im Moment des tiefeingreifenden digitalen Wandels plädiert die Arbeit dafür, den Einsatz intelligenter Technologien, sozialer Plattformen u.a. durch gesellschaftlich eingeforderte Regeln und bewusstere Nutzung unter die Prämisse eines gerechteren, vielfältigeren und glücklicheren Zusammenlebens zu stellen. Sie folgt der Überzeugung, dass geistige, soziale und politische Freiheiten in Zukunft nur durch die Eingrenzung dominanter und profitorientierter Logiken der großen Internet- und Technologiekonzerne gesichert werden können.
Politisch und sozial wird von einer digitalen Zivilgesellschaft gesprochen, deren Mitglieder sich ihr Recht auf individuelle Intransparenz vorbehalten. Religiös und spirituell sind wir damit konfrontiert, Bewahrung und Erneuerung auszubalancieren. Wie kann es gelingen, zwischen der Erfahrung realer Präsenz von Lebewesen und dem Einfluss von Maschinen mit artifizieller Intelligenz zu vermitteln und diese ethisch sinnvoll zu gewichten?
Ein solcher Wandel hat immer auch demokratisches Potential, denn keine Autorität hat bisher vollständige Antworten auf diese Fragen.
Damit Lösungen nicht zu Machtinstrumenten für neue Abhängigkeiten werden, ist die Aneignung dieser Debatten und der organisierte Einspruch in der Bevölkerung aktuell so unglaublich wichtig.

Text:     Martin Wöllenstein, Yonka Werner

   



Erfahrungsbericht

Die Cloud ist in nur drei Tagen über den Bänken der Marburger Universitätskirche entstanden. Ein Konstrukt aus Bambusstangen wurde zum Schluss mit meterweise Papier umhüllt, getackert und geknüllt, bis es optisch immer mehr zu einer Wolke wurde.
Mit fleißigen Händen von zehn HelferInnen, Geduld und Ausdauer konnte die Wolke über den Dachstuhl der Unikirche Stück für Stück an Nylonseilen nach oben gezogen und dann mit Schiffsknoten am Gebälk sicher befestigt werden. So schwebte die imposante Wolke für einen Monat über den Köpfen der Kirchenbesucher.
Noch spektakulärer wurde der Anblick, als die Wolke zur Nacht der Kunst und zum Liturgic Specific Art Gottesdienst von zwei Beamern bespielt wurde und im Hintergrund dazu elektronische Musik des Berliner DJ’s J_Cow lief.
Ein Gesamtkonzept, das für den Raum der Uni-Kirche entwickelt  worden war.
Nicht zu vergessen ist das Hashtag, das bereits in Vorarbeit des Künstlerpaares in deren Garten entstand und aus großen, ineinandergesteckten Styroporstücken konstruiert war. Es stand im Altarbereich, rahmte diesen und war allein aufgrund seiner Größe und Anordnung sehr eindrucksvoll.
Im Gegensatz zur Wolke konnte das Hashtag nur ein Wochenende lang betrachtet werden, da es Teil der Performance des LSA war und von den Performanceteilnehmern der ESG lautstark auseinandergenommen wurde, was bei den Zuschauern eine gewisse Unruhe auslöste, aber auch ein fesselnder Moment war.

Text:  Yonka Werner