LSA | ICH SCHREIBE

MIT EIGENER HAND

MIT GROSSEN
BUCHSTABEN

Gabi Erne und Valeska Schulz

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Kirche und bekommen ein Wort. Das ist nun Ihr Wort. Was ist Ihr Wort? SONNE, vielleicht, GLANZ, oder HOFFNUNG, GAST, vielleicht, GEBORGENHEIT oder DUFT.

Sie setzen sich in die Bank, und setzen sich mit anderen Zusammen. Plötzlich sind sie Zusammengesetzte Worte: Kompositnomen heißt das in der Fachsprache. — Und völlig neue Sinne und Bedeutungen eröffnen sich Ihnen. Zusammen sind Sie Glanz-Gast und Duft-Sonne! Ganze Gedichte an Miteinander-Worten entspringen aus der Gemeinde. Alle hören sich gegenseitig beim Bedeutungsbasteln zu.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Kirche und unterschreiben dort mit eigener Hand. Dann während der Predigt taucht eine nach der anderen Unterschrift auf dem Parament an der Kanzel auf.

Stellen Sie sich auch ein Mal vor, Sie sitzen in der Kirche, und die Buchstaben der Schriftlesung sind SO GROSS, dass Sie aufstehen müssen, um zu helfen, jeden einzelnen Buchstaben nach vorn zu tragen. Buchstaben, so groß, dass eine Wand nicht genug Platz hat, sie zu beherbergen. “Das passt ja auf keine Kuh-Haut!”? — Auf eine Kirchenwand passt es auch nicht!

Und stellen Sie sich vor, Sie hören die Schriftlesung in der Kirche, und gleichsam malt und schreibt sich Ihnen der Text vor die Augen.

So in etwa kann man sich Vorstellen, wie es war ein Teil dieses Gottesdienstes zu sein: Da ist ein Chor in dieser Kirche, und die Sprache wird ihren Ort im Kirchenkörper finden.

Text: Johannes Böckmann

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