Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /kunden/187265_70794/rp-hosting/6430/7430/kirchbauinstitut/wp-content/plugins/so-widgets-bundle/so-widgets-bundle.php on line 785

Architekturflash – Umbau der Kirche Christkönig in Saarlouis in eine Kita

SOS Brutalism nennt sich das Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot-Stiftung, das sich zur Aufgabe gemacht hat, auf die Gefährdung brutalistischer Bauten der späten Moderne aufmerksam zu machen. Denn viele “Betonmonster”, wie sie liebevoll genannt werden, sind in die Jahre gekommen.

Charakteristisch für den Brutalismus ist der rohe und unverhüllte Beton (béton brut) und die konstruktivistische und skulpturale Ausarbeitung der Gebäude. Es handelt sich um einen architektonischen Stil, der mit diesen Ausdrucksmitteln ästhetische Wahrhaftigkeit und eine ethische Haltung beanspruchte, die für einen gesellschaftlichen Neuanfang stand.

Mehr noch als in der profanen Architektur, erprobten die Architekten im Sakralbau neue bauliche Möglichkeiten. Dabei entstanden begehbare Großskulpturen, die eine Herberge für eine neue Gläubigkeit sein wollten.

Auf der Website zum Projekt, www.sosbrualism.org, ist die Kirche Christkönig in Saarlouis eine der bisher 160 weltweit gelisteten Kirchen im brutalistischen Stil. Dank eines Umbaus in einen Kindergarten ist sie auf der Webseite als “saved” markiert.

Bei der 1966 bis 1968 erbauten Kirche in der Nähe des Bahnhofs von Saarlouis handelt es sich um ein herausragendes Bauwerk der Betonmoderne, das bis ins Detail vom Trierer Architekten Günter Kleinjohann durchdacht wurde. Der 12 Meter hohe Hallenbau aus brettgeschältem Sichtbeton verfügt über einen geschlossenen Betonsockel, über dem drei Fensterreihen aus schräg zueinander stehenden Betonelementen angeordnet sind. Diese verspielte Anordnung verleiht dem schweren Bau Leichtigkeit und Durchlässigkeit. Die Zwischenräume sind mit klarem Fensterglas versehen. Nach Art eines Campanile steht der Glockenturm wenige Meter vom Kirchengebäude entfernt. Auf dem Grundstück befand sich außerdem ein Kindergarten sowie eine Pfarrbücherei und ein Gemeindezentrum.

2008 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit des Dachs geschlossen. Im selben Jahr kam das Gebäude unter Denkmalschutz. Schwindende Mitgliederzahlen führten 2010 zur Entwidmung der Kirche. Das Bistum Trier schrieb 2012 einen Wettbewerb für die Umnutzung des Kirchengebäudes als Kita aus, den das Architekturbüro Flos und K für sich gewann.

Ihre Entwürfe besprachen die Architekten mit Günter Kleinjohann persönlich, was den Entwurfsprozess sowie die Abstimmung mit dem Denkmalamt erleichterte - eine besondere Gelegenheit, den Architekten eines denkmalgeschützten Gebäudes befragen zu können.

Als 2015 der Umbau begann, wurde zunächst die Fassade von Kletterpflanzen und Verschmutzungen gereinigt. Im Inneren entstand ein Einbau aus unbehandeltem Fichtenholz, der die Krippenräume beinhaltet. Das Dach des Einbaus bietet eine 250 qm große Spielfläche, die auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Die zugehörigen Nebengebäude wurden abgerissen und machten Platz für einen länglichen, zweistöckigen Erweiterungsbau, der die Küche, den Speisesaal, weitere Gemeinschaftsräume und Verwaltungsräume beherbergt. Ein Durchbruch verbindet den dunklen Anbau aus Fichte mit den Räumen im Kircheninneren und hebt sich gleichzeitig optisch von ihm ab.

Die Prinzipalien sind bereits 2013 in die Kirche St. Johannes in den Stadtteil Steinrausch gebracht worden. Der Träger, die Katholische KiTa gGmbH Saarland, wird die christliche Symbolik teils wieder in den neuen Räumlichkeiten integrieren. So soll das Kreuz wieder aufgehängt werden und eine Marienkapelle mit bunten Fenstern und Statuen der ehemaligen Kirche entstehen, sagte die Leiterin Simone Speicher der Saarbrücker Zeitung.

Das heutige Ergebnis des Umbaus haben die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer maßgeblich mitgeprägt. Die Architekten von Flos und K griffen die Vorschläge zu Raumzusammenhängen und Materialien auf und vergrößerten den ursprünglich kleiner geplanten Einbau.

Dort wo einst Kirchenbänke aus dunkelbraun lackiertem Holz mit Betonfüßen und weinroten Sitzkissen standen, hebt sich heute der helle Holzeinbau vom schwarzen Steinboden ab und harmonisiert farblich und haptisch mit den grauen brettgeschälten Betonwänden des Kirchenbaus.

Dank dieser Haus-in-Haus-Lösung von Flos und K, die den Kirchenraum respektvoll würdigt, bleibt die Kirche als Baukörper erfahrbar und wird gleichzeitig neu belebt.

Die Arbeiten im Außenbereich werden noch bis Oktober andauern. Dann werden auch die großzügigen Spielflächen und der Spielplatz mit einem Festakt am 22. Oktober eröffnet werden.

Text: Dorothea von Kiedrowski

Bilder: Flos und K, Sven Paustian

www.flosundk.de