Architekturflash Petrus-Jakobus-Kirche Karlsruhe

Der erste evangelische Kirchenneubau in Baden-Württemberg (badische Landeskirche) seit dem Jahr 2011 ist die Petrus-Jakobus Kirche  in Karlsruhe. Die neue Kirche wurde möglich und nötig durch die Fusion der Petrus- und der Jakobusgemeinde, denn beide trennten sich von  Vorgängerbauten. Die etwas unscheinbare Petruskirche stammte aus den 60er Jahren, die Jakobuskirche von Erich Rossmann hatte Charakter mit ihrem typischen funktionalen und nüchternen Baustil der Kirchen der 70er Jahre. Sie bekam später erzählerische bunte Glasfenster, ganz gegen die Intentionen des Architekten. Teile dieser Verglasung von Graham Jones und ebenso Stücke der farbigen Fenster aus der Petruskirche wurden auf Wunsch der Gemeinde wieder verwendet, – allerdings neu interpretiert  als quadratische Ornamentform bzw. als Fensterband und nun in einer ansonsten weiß gehaltenen Umgebung farbige Akzente setzend.

An dem Wettbewerb 2011 für den Kirchenneubau an einem zentralen Platz in der Karlsruher Nordweststadt nahmen 5 Architekturbüros teil, die alle schon Erfahrung im  Kirchenbau gesammelt haben: AAG Lögner-Schäfer-Weber, Heidelberg, Krebs Architekten, Karlsruhe, LRO Lederer Ragnarsdottir Oei Architekten, Stuttgart, Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt und Pfeiffer Kuhn Architekten, Freiburg.

Der Bauherr wünschte in der Ausschreibung ausdrücklich eine Kirche mit sakralem Charakter. Peter Krebs, dessen Entwurf ausgewählt wurde,  interpretiert diesen Wunsch dahingehend, dass er, in Anlehnung an historische Kirchendächer, mit  Neigungswinkeln der Dachform spielt und innen einen entmaterialisierenden Umgang mit Licht und Farbe pflegt. Mit Weißschattierungen aus dem Zusammenspiel von geschlämmten Ziegelwänden, Fensterflächen im Osten und im Süden, mal mit indirektem, mal mit direktem Lichteinfall,  hellem Kalkstein als Bodenbelag,  den Prinzipalstücken aus Kalksteinblöcken auf gekalkten Eichenholzgittern: So entsteht eine Komposition aus Weißtönen zwischen Purismus und edlem Design, bei der das Licht Hauptdarsteller ist.

 

 

 

 

 

 

 

An dem Quartiersplatz in der Karlsruher Nordweststadt, auf dem auch regelmäßig Markt stattfindet,  ging es aber nicht nur um einen Sakralraum, sondern auch um ein offenes und einladendes Gemeindehaus mit Café und um eine angrenzende Wohnbebauung. Diesem doppelten Anspruch , sowohl eine Anlaufstelle und ein kommunikatives Angebot für die Öffentlichkeit zu sein als auch einen Ort zu bieten, der den Vorstellungen von Sakralität entspricht, wurde der Architekt gerecht, indem er eine Doppelanlage entwickelte.

Kirche und Gemeindehaus stehen sich als zwei getrennte Hausteile gegenüber. Sie sind verbunden durch einen überdachten Eingangsbereich mit Arkaden und einen Innenhof. Große ebenerdige Fensterflächen unterstreichen die Verbindung durch Sichtkontakt. Mit seinem weiß gekalkten Ziegelmauerwerk, dem Spiel mit unterschiedlich gestalteten Öffnungen der Wandflächen, mit Ein- und Durchblicken hat das Gebäude einerseits etwas von einem abgeschlossenen Rückzugsort und gewährt auf der anderen Seite Durchlässigkeit. Gottesdienstraum und Gemeindehaus sprechen die gleiche Sprache, betonen aber unterschiedlich. Die Lehre aus der Problematik mit der Vorgängerkirche aus den 70er Jahren wurde insofern gezogen, als es nun einen dezidiert eigenen sakralen Gebäudeteil gibt, der durch Umtriebigkeit im Gemeindehaus nicht gestört wird.

Der  Bau nimmt sich als Kirche sehr zurück, zeigt aber, dass es sich um einen außergewöhnlichen Ort handelt. Es könnte auch ein Museum sein oder ein Kulturzentrum, denn bis für die neue Kirche ein Turm errichtet werden kann, müssen noch finanzielle Mittel angespart werden. Solange wird der alte Turm der Jakobuskirche als Glockenturm benutzt.

Text: Claudia Breinl / Fotos: Brigida Gonzalez

Peter Krebs Büro für Architektur

www.krebs-arch.de

In der letzten Zeit gibt es neben Umgestaltungen mehrfach auch komplette Kirchenneubauten, aktuell  in Holzkirchen und in Poing.  Wir werden darüber berichten, sowohl hier auf unserer website als auch in der Zeitschrift „kunst und kirche“.